Slow Fashion als Mission

15. Januar. 2021

Model in roter Bluse liegt relaxed im Gras.

Kann Mode überhaupt langsam sein? Die 2007 von Kate Fletcher entwickelte Vision der „Slow Fashion“ ist tatsächlich ein Gegenentwurf zur „Fast Fashion“. Sie steht für eine Modebranche, die auf Verantwortung, Nachhaltigkeit und Wertschätzung gründet. Die Kollektionen von Stephanie Pothen werden schon immer unter diesen Aspekten kreiert und hergestellt. Mit ihrer Arbeitsweise ist sie ein Teil dieser Bewegung – „Slow Fashion“ ist ihre Mission.

Slow versus fast Fashion 

Inspiriert von der „Langsambewegung“, die sich z.B. im Foodbereich für Umwelt, Mensch und Tier einsetzte, wandte Fletcher sich gegen den wachsenden Teil der Modeindustrie, der auf Gewinnmaximierung ausgerichtet ist: Design, Stoffherstellung, Fertigung und Vermarktung müssen diesem Ziel dienen. Kompromisse bei der Qualität und Lebensdauer der Kleidung werden einkalkuliert, die ökologischen Folgen und ethischen Probleme eines stetig wachsenden Konsums und der damit verbundenen Wegwerfmentalität in Kauf genommen. Ist der häufig geringere Preis eines solchen Stückes auch attraktiv, so spiegelt er natürlich nicht die Kosten wider, die mit seiner Herstellung, der kurzen Nutzungsdauer und seiner Entsorgung verbunden sind.

Die Schnelligkeit zeigt sich in kurzlebigen Trends und immer kürzer werdenden Intervallen zwischen den Kollektionen, denen auf dem Fuß die Plagiate folgen. Konzepte wie „See now, buy now“ sollten die Mode revolutionieren – und sie noch schnelllebiger machen. Der Begriff „Fashion Victim“ ist eine nette Umschreibung für die Bereitschaft vieler Menschen, sich dem High Speed zu ergeben. Ein Kleidungsstück wird eben nur getragen, solange es trendy ist. Die Nachhaltigkeit bleibt auf der Strecke.

Doch auch wenn Qualität gar nicht gefordert ist, so muss jeder noch so einfache Stoff gefertigt und jedes Teil genäht werden. Ganz ohne menschliches Zutun und wertvolle Ressourcen geht es eben nicht, so viel ist seit langem klar. Die Menschen, die unter unwürdigen, ja sogar lebensgefährlichen Bedingungen dafür arbeiten und von ihrem Lohn kaum leben können, sie bezahlen letztendlich dafür.

Nachhaltigkeit hat zwei Dimensionen

Die Vision von „Slow Fashion“ steht für eine Modebranche, die auf Verantwortung, Nachhaltigkeit und Wertschätzung gründet. Und zwar in doppelter Hinsicht: sowohl auf Seiten der Hersteller als auch auf Seiten der Menschen, die Mode kaufen und tragen. Kleidung, die unter modischen, ethischen und ökologischen Aspekten gestaltet und aus hochwertigen Stoffen handwerklich solide hergestellt wird, hat in der Regel eine längere Lebensdauer. Erst dadurch ist sie ihren Preis wert und wirkt nachhaltig.

Craft of Use: die Kunst des Gebrauchs

Dieses Potential will ausgeschöpft werden. Fletcher hat auch dafür einen Begriff gefunden: Craft of Use. Das bedeutet so viel wie die Kunst des Gebrauchs. Wenn wir unsere Ressourcen nicht verschwenden wollen, müssen wir unsere Kleidung – und nicht nur diese – gut behandeln und pflegen. Schon Vivian Westwood hat dazu vor vielen Jahren gesagt: „Buy less, choose well and keep it long.“ Zu den Aspekten eines längeren Gebrauchs gehört neben einer klugen Wahl auch die Wertschätzung, die sich ausdrückt durch z.B.

  • einen pfleglichen Umgang mit der Kleidung
  • fachgerechte Reinigung
  • Kreativität in der Kombination, um neue Looks zu schaffen
  • das Reparieren wo immer es möglich ist
  • Weitergabe gut erhaltender Stücke an andere
  • Tragen von Second Hand Mode

Gutes nachhaltiges Design, das dem Zeitgeist entspricht

„Slow Fashion“ ist keinesfalls ein Plädoyer für Klassiker oder zeitloses Design ohne Raffinesse. Im Gegenteil: Nachhaltige Mode braucht neben verantwortungsbewusster Herstellung vor allem solide Qualität, gute Schnitte, eine perfekte Passform, angenehme Stoffe, ein attraktives Design und Wandelbarkeit. – Also alles, was ein Lieblingsteil ausmacht, das lange getragen wird.

Die Kollektionen von Stephanie Pothen werden schon immer unter diesen Aspekten kreiert und hergestellt. Stephanie Pothen ist mit ihrer Arbeitsweise Teil dieser Bewegung – „Slow Fashion“ ist ihre Mission.

Der Entwurf und die Entwicklung einer – zeitgemäßen und zeitlosen  – Kollektion sind mit einem enormen Zeitaufwand verbunden. Es bedarf großer Hingabe, Beharrlichkeit und Leidenschaft. Doch die Sorgfalt, dieses Bestreben, die Entwürfe auf den Punkt zu bringen, lohnt sich. Für die Frau, die sie trägt und für unsere Umwelt. Jedes Teil wird erst auf Bestellung, in einer kleinen Manufaktur unter fairen Bedingungen und unter ihrer Aufsicht gefertigt. Das ist nicht made in Europe oder made in Germany, nein, made in Düsseldorf. Solche Kleidungsstücke haben einen individuellen Wert, sie bereiten lange Freude. Und manche Kundin ist froh, Teil dieser Wertschätzung zu sein und einen Beitrag an Regionalität, Langlebigkeit und Ökologie beizusteuern.


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